Schlagwort: Berlin

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XII: Zement

Das trübe Grau des Spätwinters wabert dieser Apriltage von Neuem durch die Straßen, deren Bäume doch schon Sprossen gräulichen Grüns zeigen, und erfüllt wie eine mehlige Zementstaubwolke die ganze Luft, in der es als etwas fast mit den Händen Greifbares liegt, als Ahnung, dass es so nicht weitergehen wird. Die alte Zeit verflüchtigt sich, Angela Merkel scheint in Annegret Kramp-Karrenbauer überzugehen, der Brexit wälzt sich ätzend durchs Jahr, doch unbemerkt verdichtet sich im Nebel zugleich das Neue. Verstärkte Wetterfühligkeit, Angefasstheit und Gereiztheit allenthalben, Repressionen, Razzien und Revolten, ahnt doch keiner, dass lediglich ein stillgelegtes Zementwerk den Betrieb wieder aufgenommen und die Dunstwolke des spätkapitalistischen Verfalls in Wirklichkeit bereits vom Baustaub einer neuen Zeit herrührt. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs VIII: Das Haus am Platz

Der November ist vorbei. Das Jahr versinkt in nebeligem Grau, die Häuser stehen reglos an ihren Plätzen und die Menschen gehen ihren Geschäften nach, ob bei #aufstehen, wo man sich anscheinend auf dem Weg zu einer neuen Partei befindet, oder beim Jobcenter, wo man zu Informationstagen für Selbständige einlädt. Den neunten November, den hundertsten Jahrestag der Revolution, habe ich indes verstreichen lassen, habe nicht versucht, bei der #aufstehen-Kundgebung am Brandenburger Tor einen digitalen Sturm aufs Kanzleramt anzuzetteln und mich sicherheitshalber wieder aus allem herausgezogen. Meine verbale Freizügigkeit steht einfach in zu großem Widerspruch zu den Sprachregelungen und Denknormen unserer Zeit. So lese und schreibe ich stattdessen für mich. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs III: Der 9. November (1918) – der XX/YY/2018?

Von Baustelle zu Baustelle, zur Messe wie zum Tempodrom, lotste mein Schichtplan mich während der heißen Tage des diesjährigen Julis, mir nicht allzu viel Zeit lassend für die Lektüre eines Romans namens „Der 9. November“ über die deutsche Novemberrevolution vor genau hundert Jahren, geschrieben 1919 von einem Schriftsteller namens Bernhard Kellermann, der mir zuvor nichts sagte. Und dann sind da natürlich noch meine eigenen politischen Aktivitäten, von denen ich gleichwohl kaum je etwas erzähle, denn wo käme ich denn da hin, wenn ein jeder wüsste, dass ich die Regierung zu stürzen beabsichtige? (mehr …)

Isaak Babels „Reiterarmee“ oder der Intellektuelle als Krieger

Lange ist´s her, dass die Kosaken unter dem Kommando Budjonnys und Trotzkijs ausritten, die Weltrevolution über die russischen Grenzen zu tragen. Heute schickt Putin seine Luftkavallerie aus, nach Syrien dieses Mal, und der kritische Intellektuelle steht vor der Frage: Verdammt er die russische Intervention genauso wie die amerikanischen oder ist das russische Handeln gerechtfertigt?* (mehr …)

B-Movie: Lust und Sound

„If you can remember the 80’s, you weren’t there!“ ist der Slogan des Films „B-Movie: Lust und Sound“. Zu ergänzen wäre: Und wenn du dich hinterher an den Film erinnerst, hast du ihn nicht gesehen. Ein Paradoxon! Lässt sich das wohl ergründen? Ein Versuch. (mehr …)

Alfred Kubin: Die andere Seite

Unlängst besuchte ich die Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin, in der eine surrealistische Ausstellung mit Werken von Max Ernst, Rene Magritte, Alfred Kubin und vielen anderen, zu sehen ist. Im Museumsshop lag Alfred Kubins phantastischer Roman „Die andere Seite“ gleich in mehreren schönen Ausgaben aus, (mehr …)