Kategorie: Literatur

„Die Rebellion der Gehenkten“

Manche Bücher haben kaum 200 Seiten, kommen als harmloser Abenteuer-Roman daher, enthüllen aber eine solch existentielle Tiefe, dass man sagt: Diese Geschichte hat das Leben selbst geschrieben, ihre Helden sind Vorbilder dafür, mit welcher Haltung man den Fährnissen und Unbillen desselbigen zu begegnen hat. (mehr …)

Eine kleine Reise zum roten Planeten

Unlängst schlenderte ich durch den Berliner Wedding und stieß dabei auf eine unscheinbare kleine Buchhandlung, deren Auslage aus zerknitterten Bananenkartons bestand, in denen einige wenige Bücher in wilder Unordnung über- und untereinander lagen. Ich begann zu stöbern und meine Spürnase schlug praktisch sofort an: (mehr …)

Isaak Babels „Reiterarmee“ oder der Intellektuelle als Krieger

Lange ist´s her, dass die Kosaken unter dem Kommando Budjonnys und Trotzkijs ausritten, die Weltrevolution über die russischen Grenzen zu tragen. Heute schickt Putin seine Luftkavallerie aus, nach Syrien dieses Mal, und der kritische Intellektuelle steht vor der Frage: Verdammt er die russische Intervention genauso wie die amerikanischen oder ist das russische Handeln gerechtfertigt?* (mehr …)

„Mobile aus Drohnen“ – eine pakistanische Miniatur

Die meisten zivilen Opfer des Drohnenkrieges über Pakistan bleiben namenlos. Niemand erfährt von ihrem Leben, hört ihre Geschichte. Allenfalls diejenigen, die sterben, tauchen als Bodycount in der Statistik auf. Will man die Opfer mit seiner Empathie würdigen, die durch nackte Zahlen nicht geweckt wird, ist die Imagination gefordert: Was es braucht, ist eine literarische Bearbeitung, die diese Schicksale für den Leser lebendig werden lässt. (mehr …)

Der Grexit in der Literatur

Seit Jahren geistern der Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone und ein folgender Zusammenbruch der gesamten Währungsunion als ein Schreckgespenst durch die Gedanken aller politisch Interessierten. Zeit genug also, diese Vorlage literarisch aufzunehmen und als ein zugleich realistisches wie existentielles Szenario zu verwenden, in dem die großen Fragen nach dem Wesen des Menschen, der Sinnhaftigkeit unserer Realität und unseres Lebens oder unserem Verhältnis zum deutschen Teil unserer Identität gestellt werden können. (mehr …)

Puschkins Медный Всадник: Russland durch seine Poesie verstehen?

Cover

Von allen russischen Dichtern ist Alexander Sergejewitsch Puschkin der mit Abstand beliebteste. Und das liegt nicht nur daran, dass er mit 37 Jahren den romantischsten aller Dichtertode im Duell gestorben ist, sondern vor allem an seinen großartigen, leichtfüßigen und tiefsinnigen Versen. Diese sind allerdings schwer zu übersetzen, weswegen Puschkins Ruhm im Westen, anders als in Russland, weit hinter dem Dostojewskijs oder Tolstojs zurücksteht. Wer Puschkin im Original liest, betritt also nichts weniger als das Allerheiligste der russischen Seele, zu dem Nicht-Russen eigentlich keinen Zutritt haben. (mehr …)

Jeet Thayil: Narcopolis – das Elysium aller Drogenromane?

Narcopolis Cover

Drogen und Literatur zusammenzubringen, ist schwieriger, als man gemeinhin denkt. Zu oft gleiten die Schilderungen des Drogenrausches ins Genre der biografischen Fallstudie ab oder ergehen sich in metaphysisch durchsetzter Prahlerei. Dabei verfehlen sie das eigentlich Literarische und die Lektüre kann so trocken wie Knäckebrot werden. Doch können die subtilen Vibes eines Drogenrausches überhaupt so ausgedrückt werden, dass sich der Rausch selbst durchs Lesen überträgt? (mehr …)