Wer längs des seicht vor sich hin plätschernden Landwehrkanals marschiert, ist vor der Sonnenhitze zumeist durch einen grünen Baldachin raschelnden Laubs geschützt, doch nähert man sich der U-Bahnstation Hallesches Tor, wird das Ambiente urbaner und rauher, die Luft stickiger, die Hitze sengender.

Bürogebäude und Plattenbauten ragen rechter Hand der vielbefahrenen Uferstraße empor, eins höher, eins gräulicher als das andere, während sich auf der gegenüberliegenden Seite, hinter dem blassen Stahlviadukt der Hochbahn mit ihren quietschgelben Waggonketten, die durchklimatisierte Amerika-Gedenkbibliothek mit ihrem zugleich wuseligen und ruhigen Leben versteckt. Rasten lässt sich´s in dieser Einöde aus verwittertem Beton und unlängst erneuertem Asphalt ganz passabel auf einem schmalen Parkstreifen, dessen Büsche dem dröhnenden Verkehrslärm, Gott sei´s gedankt, das Volumen abknipsen. Eine Zigarettenlänge verweilt man hier gerne, selbst wenn auf der Nachbarbank ein Gettoblaster scheppert, doch drängt es einen bald weiter, vielleicht zum breiten Durchgang, der am Kopfende des Parkstreifens in einen rundlichen, nicht sehr hohen Wohnkomplex aus den siebziger Jahren eingelassen ist, vielleicht weiter zur Wilhelmstraße mit ihrem anthrazidfarbenen Stelenfeld. Verschlossen ist der Durchlass zum Innenbereich dieses bei näherer Betrachtung tatsächlich kreisrunden Wohnkomplexes dieser Tage durch einen Bauzaun von der Art eines Steckgitters, hinter welchem sich verblüffenderweise ein echter Platz verbirgt, aus dessen Mitte, zwischen wildem Wiesengras und Baustellengerätschaften, eine aus der wilhelminischen Zeit gefallene Granitsäule mit geflügelter Friedensfigurine in die Höhe ragt, welche in weihevollem Pathos einen Kranz vor sich emporhebt und die Nabe der Achse bildet, auf die tausend Fenster hinter tausend Balkonen ringsum hinausgehen. Es ist dies der Mehringplatz, ehedem Belle-Alliance geheißen, wo zwischen Novemberrevolution und bedingungsloser Kapitulation eine Frau namens Marie ihr Leben führte, von welchem Anna Seghers in ihrem geradezu leichtfüßigen Epochenroman „Die Toten bleiben jung“ erzählt.

Ein ganz junges Ding war die Marie noch, als sie sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Vorortlokal „Zum Anker“ um die Bewirtung der Gäste kümmerte, wo sie mit dem Kriegsheimkehrer Erwin Bekanntschaft schloss. Das war einer, der wirklich aus dem Krieg heimkehren wollte, statt den Krieg nach Hause mitzubringen. Noch an der Front hatte er Flugblätter weitergegeben. Jetzt aber griff er der Revolution unter die Arme, auf dass sie nicht so schnell schlapp mache. Er war ein ernsthafter Mensch, der eisern schwieg, sowohl vor Marie, die er nicht zu schnell mithineinziehen wollte, als auch vor seinem besten Freund Martin, der die Marie vielleicht unzuverlässig finden könnte. Allein, genutzt hat es ihm nichts, denn die Freikorpsleute und verabschiedeten Soldaten von Wenzlow, dessen familiärer Mittelpunkt eine in Potsdam lebende alte Tante Amalie bildete, von Klemm, der einer rheinischen Industriellenfamilie entstammte, der brandenburgische Bauer Wilhelm Nadler sowie der Baltendeutsche von Lieven, dessen Familie ihr Gut bei Riga unlängst verloren hatte und allem Roten und Bolschewistischen in tödlicher Feindschaft gegenüberstand, beschlossen nach Erwins Gefangennahme, schnell mit ihm „Schluss zu machen“. So musste die schwangere Marie also vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten warten, ohne seine Leibesfrucht gleichwohl wegmachen lassen zu wollen, in einer Zeit, als Hunger, spanische Grippe und Straßenkämpfe den Alltag bestimmten. Rat und Unterschlupf suchte sie bei ihrer Tante Emilie und fand bald darauf den mürrischen Witwer Geschke, um dessen drei Kinder sich seit einiger Zeit nur kümmerte, wer sich ohnehin in den Hinterhöfen der verwinkelten Arbeiterquartiere um den großbürgerlich gediegenen Belle-Alliance-Platz mit seinen zwischen Trams und Omnibussen ruhenden Statuen und Figuren herumtrieb.

So kam dann also eine Zweckehe zwischen der schwangeren und um ihren verschollenen Liebsten trauernden Marie und dem um so vieles älteren und eigentlich nicht mehr zu Abenteuern aufgelegten Arbeiter Geschke zustande, der auch noch treu zur alten SPD hält, als die schwarzen Wasser des Landwehrkanals schließlich die Leiche der ebenfalls vermissten Rosa Luxemburg freigeben, ganz anders als ihr Nachbar Triebel, der Feuer und Flamme für alles ist, was aus dem revolutionären Sowjetrussland herüberdringt. Tag für Tag und Jahr für Jahr gehen nun ins von Unruhen geprägte Land, in dem all die von Wenzlows und Lievens stets zur Stelle sind, wenn es gegen die ihnen so verhassten Roten geht, deren Führer Lenin und Ebert in Berlin bald mit großen Demonstrationen anlässlich ihrer Beerdigungen verabschiedet werden. Doch reicht der „Kampf gegen den Bolschewismus“ nicht aus, Ehrgeiz und Anspruchsdenken dieser an kaiserliche Glorie gewöhnten Männer zu befriedigen. Sie wollen mehr, für sich selbst und für ihr Land, und werden bald auf einen bis dato unbekannten Veteranen aufmerksam, dessen erste größere Aktion in München zwar kläglich scheitert, der aber dennoch hervorsticht.

Wer ist dieser Mann, über den die meisten sich zunächst lustig machen, den aber dennoch ein seltsames Charisma umgibt, so als schwebe schon jetzt der Kranz des kommenden Siegers über seinem gescheitelten Haupte? Kann er Deutschland, das nach dem Schmachfrieden von Versailles mit all seinen Gebietsabtretungen, Reparationen und Rüstungsbeschränkungen, nach der Zerrüttung seiner Währung und Wirtschaft, nach der Ausrufung der Republik und der Machtübernahme der Roten am Boden liegt wie wohl niemals zuvor, wieder aufrichten? Von Klemm, der Industrielle, ist sich sicher: Man muss den deutschen Arbeiter für sich gewinnen, ein bisschen Sozialismus in Kauf nehmen, solange er nur national bleibt, also der eigenen Art entspricht, die an den Eigentumsverhältnissen nichts ändert. Andere, darunter die Tante Amalie, zögern länger, während allerhand inzwischen herangewachsener Nachwuchs bereits den Weg zum so faszinierend verästelten Zeichen der neuen Zeit gefunden hat. Und wirklich, kaum ist diese angebrochen, wird alles, wohin man nicht schaut, besser. Die Wirtschaft kommt wieder in Schwung, Arbeit gibt’s zuhauf und auf den Tisch kommt jetzt Fleisch. Stände- und Klassenunterschiede werden in der neuen Volksgemeinschaft kaum mehr betont, in der Jugendmassenorganisation kommt der Nachwuchs aller Schichten zusammen, vereint in ihrer geschworenen Verehrung für den entschlossenen Tatmenschen, der Deutschland in so schwindelerregend schnellen Schritten von einem geschmähten zu einem respektierten Land erhebt, dass selbst manch alter Spötter ihn nun ehrfurchtsvoll den Führer nennt, sowie beseelt vom frisch erworbenen Rassenbewusstsein, das den sentimentalen Alten so schwer zugänglich ist, die dafür aber wie selbstverständlich davon ausgehen, dass Krieg die natürlichste Sache der Welt sei, in dem sich zu bewähren den Sinn der männlichen Existenz ausmache. Als dieser dann ausbricht, abermals Siege und Begeisterung ohne Ende, bis die Magie des schier Unvorstellbares wahrmachenden Blitzkrieges sich verflüchtigt, alles irgendwie ins Stocken gerät und bald genau nachgerechnet wird, wie viele überflüssige Esser wegmüssen, damit auch der deutsche Arbeiter auf seine Ration kommt …

Familiär geht es zu in „Die Toten bleiben jung“, dessen Protagonistentableau sich zu einem Gutteil eben aus den Personen rekrutiert, die anfangs Erwin, die Verkörperung der revolutionären Hoffnung, ermordeten, um später einem nie ganz geheuer gewesenen Führer, der ihnen zunächst zwar alles gab, wonach sie sich sehnten, weswegen sie über seine durchaus zur Kenntnis genommenen Schweinereien dann auch gerne hinwegsahen, in den Untergang ihres über alles geliebten Reiches zu folgen, der für manche, wie die Lievens, den endgültigen Verlust der Heimat im Osten mitsichbrachte, für andere, wie die Arbeiterfamilie Geschke, in der auch Erwins Sohn Hans aufwächst, nur das Schicksal von Ausgebombten, die in einer sich in Ruinen verwandelnden Stadt um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen. Doch so ausgeprägt Empathie und Verständnis der Autorin Seghers für ihre dem völkischen Milieu angehörenden Personen auch sind, schmälern sie ihren klar antifaschistischen Standpunkt natürlich nicht im Geringsten. Sie alle bekommen ihre „Denk doch mal nach!“-Backpfeife verpasst, während man als Leser, dem die Psychologie von Hitlers Aufstieg vielleicht nicht so vertraut ist, angesichts dessen lang anhaltender Erfolgssträhne ein ums andere Mal ins Grübeln kommt und sich fragt: Wie hat der das gemacht?

Anna Seghers (1900 – 1983, im Exil seit 1933) hat es gesehen, hat aus der Entfernung mitangesehen, wie Hitler seine Anhänger durch scheinbar für sich sprechende Tatsachen getäuscht hat, um dann, ohne groß mit der Wimper zu zucken, dem einmal eingeschlagenen Weg bis zum Selbstmord zu folgen. So mit zeitlichem Abstand betrachtet ein ziemlich krasses Schauspiel, das nachzuvollziehen einem „Die Toten bleiben jung“ auf einem so hohen Niveau ermöglicht, dass sich manches Mal der Eindruck einstellt, man sähe es, dieses und alle Warums, ohne dass sie doch bis ins Letzte auserklärt würden, Hitlers meisterhafte Beherrschung der Massenpsychologie, die Wellenbewegung der politischen Konjunkturen oder den aberwitzigen Salto von kompromisslosem Allmachtsrausch zu absoluter, völlig ausgelieferter Ohnmacht, in den Hitler, dessen postmortales Fortwirken ja weit über die im Roman verhandelte Zeit hinausreicht, seine zwischenzeitlich vor lauter Begeisterung von Sinnen gewesene Anhängerschaft letztendlich geführt hat, so sie ihm nicht gleich in den Selbstmord gefolgt ist oder infolge der Kriegshandlungen umkam. Seghers zeigt die Nazis, die doch einfach nur alle Länder ringsum erobern und sich als Herrenmenschen aufführen wollten, von ihrer menschlichen Seite, die es im Privaten trotz der nur zu oft beschränkten Geistesverfasstheit und der daraus resultierenden kaltblütigen und verbrecherischen Handlungen halt auch gab. Sie lässt Erwins Mördern sowie dem ihnen gemeinsamen Vaterland Gerechtigkeit widerfahren, was sie vom Standpunkt einer linientreuen Kommunistin aus tut, die sie bis an ihr Lebensende blieb, als manch jüngerer, eher oppositionell gesonnene Schriftsteller in der DDR verständlicherweise ohne ihre Unterstützung auskommen musste.

Mein eigener revolutionärer Elan ist derweil schon fast so erloschen, wie Erwin tot ist, und als ich ein andermal am Marmorsims der Friedenssäule mit ihrer einen Kranz vorstreckenden Viktoriafigur lehne, umgeben von abgestellten Baggern, Raupen und Containerhäuschen, dunkel rauschendem Gras und teichgroßen Pfützen voll wolkiger Spiegelbilder, ist es bereits Nacht und angenehm frisch in meinem vom drin Schlafen schmuddeligen Unterhemd. So weit ich das verstanden habe, war der Rassismus der NS-Zeit eine Irrlehre mit wissenschaftlichem Anspruch, die aktiv untermauert und gelehrt wurde, um ihre Anhänger im Glauben an eine natürliche Überlegenheit zu erziehen, der sie einerseits zu überlegenem Handeln auf dem Schlachtfeld und andererseits zu mitleidlosem Morden in der Etappe befähigen sollte. Demgegenüber kommt der Rassismusbegriff heute weniger in Bezug auf eine ideologische Lehre von der Überlegenheit und Höherwertigkeit der einen „Rasse“ gegenüber der anderen zur Anwendung, sondern vor allem in Hinblick auf Äußerungen, die sich auf unterschiedliche Entwicklungsgrade mancher Weltgegenden oder auch manchen Gruppen zugeschriebener Denk- und Verhaltensmuster beziehen, was sich gut am Beispiel des Fleischproduzenten Tönnies nachvollziehen lässt, der sinngemäß meinte, man solle in Afrika ´n paar Kraftwerke bauen, dann würden die da nicht mehr so viele Bäume abholzen und auch nicht so viele Kinder im Dunkeln produzieren, wofür ihm die gesamte Presse bis hin zur FAZ denn auch sogleich Rassismus attestierte, weswegen Tönnies als angeprangerter Rassist seine Tätigkeit bei Schalke 04 nunmehr ruhen lassen muss. Allerdings hat Tönnies den Afrikanern mit keinem Wort irgendwelche „natürlichen rassischen“ Eigenschaften zu- oder abgesprochen, ist also kein ideologischer Rassist in der exakt definierten Bedeutung des Wortes, sondern einer, auf den der gegenwärtige verwässerte Rassismusbegriff angewendet wurde, der bereits die Benennung unterschiedlicher ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungsniveaus als rassistisch brandmarkt, was freilich antimarxistisch ist, da dialektischer wie historischer Materialismus ja eben Entwicklungsphilosophien darstellen. Im Grunde muss Tönnies Gedankengang sogar als tendenziell leninistisch bewertet werden, da bereits Lenin in seiner Formel, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung, den Zusammenhang zwischen Kraftwerkbau und gesellschaftlichem Fortschritt herausgestellt hat. Alles in allem kann Tönnies Äußerung, so salopp sie auch formuliert sein mag, mithin als wahr gelten, da im Zuge einer Elektrifzierung erstens der Bedarf an Brennholz abnimmt und sich zweitens die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung erhöhen, was tatsächlich einen rückläufigen Effekt auf die Geburtenrate haben dürfte. Genutzt hat es ihm jedoch nichts, da Sätze heutzutage anscheinend nicht mehr auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, bevor man ihren Sprechern ans Leder geht. Das allerdings wäre wichtig, nicht zuletzt in Hinblick auf die zu beobachtende Eskalationsspirale zwischen rechter und linker Gewalt (letztere abzustreiten wäre unwürdig), bei der der Unterschied zwischen den historischen Nazis, die fremde Länder eroberten und deren Bevölkerung versklavten oder ermordeten, und den heutigen Rechtspopulisten, die in ihren heimatlichen Gefilden zuvorderst ihre Ruhe vor zugewanderten Messerstechern und anderen Gewalttätern haben wollen, ebenfalls zu berücksichtigen wäre, da nur Ersteres als offensiv, Letzteres dagegen als defensiv (solange es nicht in tätliche oder auch verbale Angriffe gegen nicht-weiße Personen umschlägt, sondern auf der Ebene abstrakter verbaler Äußerungen verbleibt) und somit als legitim zu bewerten ist. Wenn die ideologischen Rassisten während des Dritten Reiches ihren Zeitgenossen weismachen wollten, unbesiegbar, wenn nicht gleich unsterblich zu sein, so wollen die Hater unserer Tage wohl eher darauf aufmerksam machen, gerade nicht unsterblich zu sein, weswegen sie die ziemlich undifferenzierte und eben nicht gerade ungefährliche Zuwanderungspolitik denn auch so vehement ablehnen. Gerechtigkeit, nicht Selbstgerechtigkeit, tut aktuell not. Ausgelaugt werfe ich meine schon längst ausgeglühte Kippe in hohem Bogen zu einer sich im weiten Dunkel einer Pfütze spiegelnden Silbermondsichel, plötzlich befürchtend, aus den finsteren Flecken zwischen sporadischen Laternen und beleuchteten Balkonen könne ein herrenloser Köter kläffend auf mich losrennen. Eilig lasse ich die Granitsäule mit ihrer jungfräulichen Siegesgöttin, diesen Zeiger am großen Rad der Weltgeschichte, hinter mir und spute mich in Richtung des blau leuchtenden Eingangs zur U-Bahn, hinter dem die späterhin so belebte Friedrichstraße ihren bescheidenen Anfang nimmt. Menschenleer ist der kreisrunde, mit Baustellengittern abgesperrte Mehringplatz, auf dessen asphaltierten Mittelweg sich Wasserlachen mit verschüttetem Sand abwechseln, auf dem zum Glück nirgends die geringste Spur einer Hundepfote zu erkennen ist. Was führe ich bloß für ein Leben und wo ist mein Platz in der Welt, falls es darauf noch ankommt? Erschöpft von tausend Kämpfen zwänge ich mich durch einen schmalen Durchlass im Gitterzaun, betrete den festen Grund einer ausgetretenen Fußgängerzone und brauche nur noch in den gelb gekachelten Zugang zur U-Bahn einschwenken, der sich zwischen zwei Hauswänden mit entfernt revolutionären Murals befindet, einer Vogelscheuche von Hoodieträger, dem bunte, auf den ersten Blick wie Erbrochenes aussehende Paradiesvögel nur so aus dem fahlen Gesicht flattern, und einer in kräftigem Rot schimmernden Rose, versehen mit dem Slogan Make art, not war, der mich ein wenig an mein Romanprojekt, mehr aber noch an das geheimnisvolle, gelegentlich bis zum Erbrechen beschworene Wort der Revolution erinnert, die ja zunächst einmal nur schlicht und einfach feststellt, ihre Wirksamkeit schon in der Vergangenheit unzweifelhaft unter Beweis gestellt zu haben, bevor sie ihr kleines Betriebsgeheimnis preisgibt, jetzt wie jederzeit zumindest im Verborgenen da zu sein, und schließlich mit prophetisch anmutender Sicherheit voraussagt, in der Zukunft, so fern diese auch immer sein mag, abermals in Erscheinung zu treten. Real ist sie also wohl, die Revolution, so irreal der bloße Gedanke an sie einem in den Zyklen zwischen ihrem Vollzug auch vorkommen mag, doch ob es ihr Antlitz ist, das wir erblicken werden, sobald es mit der Merkelregierung zuendegeht? Womöglich sogar ausgerechnet jetzt, da mein eigener revolutionärer Elan im Abnehmen begriffen ist und ich mich zur Abwechslung stattdessen einem Wettbewerb um den besten Literaturblog stelle, für den man hier abstimmen kann? Still stiefel ich die Stufen in die Unterwelt hinab, wohlwissend, dass der Kampf so oder so weitergeht, und werde sogleich von der hibbeligen Befürchtung befallen, die nächste Bahn könne mir vor der Nase wegfahren …

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