ist der Titel eines Romans Ernest Hemingways über eine Episode im spanischen Bürgerkrieg, als ein amerikanischer Kriegsfreiwilliger namens Robert Jordan mit einer Partisanengruppe hinter den feindlichen faschistischen Linien eine Brücke sprengen soll, um so eine feindliche Nachschubroute zu kappen und der ersten republikanischen Offensive seit Langem zum Erfolg zu verhelfen.

Hemingway schrieb den 570-Seiten Roman 1940, unmittelbar nach der Niederlage der spanischen Republik, und man wird, gerade wenn man kurz zuvor in „Wie der Stahl gehärtet wurde“ ein wenig bolschewistischen Kampfgeist aufgesogen hat, auf Schritt und Tritt mit den Ursachen der Niederlage konfrontiert: So gut wie alle Figuren, abgesehen natürlich von den sowjetischen Militärs, lassen es an der notwendigen Disziplin fehlen. Es wird geschlemmt, gesoffen und – im Falle Jordans – auch geliebt, dass es kein Vergleich mit der puritanischen Hingabe Pawel Kortschagins, des Protagonisten aus „Wie der Stahl gehärtet wurde“, an die Revolution ist, der er absolut alles unterordnet und die er niemals zerredet.

Zwar zeigt zum Glück wenigstens Jordan, dem der Leser meist in Nahaufnahme folgt, die erforderliche Ernsthaftigkeit, doch können die Nebenfiguren, so differenziert sie auch dargestellt sind, einen mit ihrer Sturheit und ihrem Unverständnis fast an den Rand des Wahnsinns bringen, einfach, weil man besagte Eigenschaften auch aus der Gegenwart leider zur Genüge kennt und in Syrien, der Ukraine, Katalonien und Deutschland hilflos mitansehen musste, wohin spontaner und planloser Enthusiasmus junger idealistischer Weltverbesserer führt.

Doch ist es natürlich Unsinn, sich von solchen Assoziationen die Lektüre verderben zu lassen, umso mehr, wenn man mit den eigenen Aktivitäten nicht unbedingt erfolgreicher ist. Wie´s aussieht kommen mir nämlich Horst Seehofer und Konsorten zuvor und stürzen Merkel vor mir, ohne dass meine schöne Stasi-Untersuchung zur Vergangenheit der Bundeskanzlerin ein nennenswertes Publikum erreicht hätte, doch mag sich das, wer weiß, auch noch kurzfristig ändern. Solange ihrer Kanzlerschaft nur bald die Stunde schlägt, soll mir alles recht sein. Hauptsache, mit ihrer ätzenden, geradezu nihilistischen Sturheit im Angesicht schlimmster Gewaltverbrechen ist bald Schluss. Denn das tut, wenn man sich die Mühe macht, hinzuhören, richtig weh. Aber nun ja. Wenigstens bin auch ich ihr, wenn auch nur ein kleines bisschen, auf den Fersen, so wahnwitzig das für einen zufälligen Leser dieser Zeilen auch klingen mag. Doch als ich letzten Monat im Vorfeld einer Veranstaltung gearbeitet habe, bei der zwei Tage später die Bundeskanzlerin eine Rede halten sollte, konnte ich natürlich nicht anders, als ordentlich in mich hineinzulachen und mir vorzustellen, wie ich am unter anderem für sie aufgebauten Rednerpult die Ergebnisse meiner Untersuchung vorstelle und sie völlig besiegt ist, weil sie mit einer Enttarnung, und dazu einer so einfachen und sauberen, wohl nicht mehr gerechnet hat. Und dann, ja, dann, so stellte ich mir vor, hätte ich den versammelten Herrschaften noch vorgetragen, was jetzt genau zu tun ist, um das Land wieder zu stabilisieren, damit es sich in vielleicht nicht allzu ferner Zukunft wieder vorteilhaft entwickeln kann. Doch war es an jenem Tag im Vorfeld, da der Soundcheck des Mikrofons durchgeführt wurde, wie an vielen anderen auch: diejenigen mit Ideen kommen nicht zu Wort und diejenigen, die das große Wort schwingen, haben nur allzu oft keine Ideen.

Was auf Hemingway allerdings nicht zutrifft. Mögen die von ihm verwendeten Geschlechterbilder (absolute Hingabe der geschorenen und vergewaltigten Maria an ihren 3-Tage-Geliebten Jordan, der sie nach Belieben herumkommandiert) auch zunächst ein wenig plump daherkommen, folgen sie doch der Nahaufnahmen-Poetik, die den Leser in die Sinnlichkeit der erzählten Welt hineinzieht, welche nicht selten im Vergießen von Blut besteht. Eine Szene, die dabei besonders hervorsticht, schildert die Aktivitäten eines revolutionären Dorfkomitees zu Beginn des Bürgerkrieges, als kurzerhand alle Faschisten und Honoratioren des Ortes gelyncht wurden, also Gräueltaten der eigenen Seite, was bemerkenswert ist. Nicht nur, weil über diesen Aspekt des Spanischen Bürgerkrieges noch weniger als über die faschistischen Massenexekutionen wie beispielsweise in Malaga gesprochen wird, sondern auch, weil dadurch eben ein Schlaglicht auf die noch heute oft anzutreffende undiszipliniert-reflexhafte verbale Aggressivität im linken Spektrum hierzulande geworfen wird, die sicherlich mit dazu beigetragen hat, dass aus anfangs nur „besorgten“ Bürgern mittlerweile nur allzu oft hassende geworden sind. Die bereits 2015 vorgebrachten Sorgen wegen einer Kriminalitätszunahme waren eben nicht zuerst Ausdruck rassistischen Ressentiments, sondern eines nüchternen Realitätssinns. Hätte man auf diese Sicherheitsbedenken, so unbeholfen rassistisch sie schlimmstenfalls auch artikuliert gewesen sein mochten, empathisch und nicht stigmatisierend reagiert, wäre die AfD heute wohl nicht so stark wie sie ist. Doch zum Glück sind wir von einer Situation wie 1936 in Spanien wenigstens noch ein Stück weit entfernt. Und wer weiß, vielleicht stürzt Seehofer Merkel schon bald oder Russia Today veröffentlicht meine Untersuchung und sie schlägt Tsunami-Wellen, was, zugegebenermaßen, zwar recht unwahrscheinlich ist, aber nicht ausgeschlossen. Und in diesem Fall wäre die Brücke zwischen meinem Leben vor und nach der Veröffentlichung einer Stasi-Anschuldigung gegen die Heilige Bundeskanzlerin gesprengt.

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