und formuliert seinen Anspruch, die maßgebliche geistige Kraft der Gegenwart vorzustellen. Es verkündet die Wiedergeburt des Weltkommunismus als Idee und zeigt, wie die Probleme der multipolaren Weltordnung durch einen Übergang auf eine höhere Entwicklungsstufe aufgehoben werden können.

Tagesbefehl des Milrevkom (militärisch-revolutionären Komitee) vom 07.11.2017

Hundert Jahre nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution liegt der imperialistische Hauptfeind in seinen letzten Zügen. Dem neuen US-Präsidenten Donald Trump gelingt es nicht, den Verfallsprozess der amerikanischen Weltmacht aufzuhalten. Die nordkoreanischen Genossen haben durch ihre nuklearen Rüstungsbemühungen erfolgreich die Gefahr eines Regime-change-Krieges gebannt und ihr diplomatisches Prestige signifikant erhöht, zu Lasten der Vereinigten Staaten, die des Weiteren hinnehmen müssen, dass wichtige Verbündete wie die Türkei und Saudi Arabien durch den Erwerb des russischen FLA-Komplexes S-400 einen Weg der Äquidistanz zwischen den USA und Russland einschlagen. Der amerikanische Einfluss, insbesondere im Nahen Osten, geht so rapide zurück, dass die Vereinigten Staaten keinen globalen Führungsanspruch mehr glaubhaft behaupten können, was angesichts der Verwüstungsspur, die amerikanische Präsidenten durch die jüngere Geschichte gezogen haben, auch nur begrüßenswert ist.

Dessen ungeachtet grüßt das Milrevkom Mr. Trump und lädt ihn ein, Militärbeobachter zum nun folgenden Manöver zu entsenden. Die objektiv antiimperialistischen Mächte Russland, China und der Iran, welche gegenwärtig das weltgeschichtliche Momentum auf ihrer Seite haben, sind keine konfliktfrei in sich ruhenden Mächte. Auch sie verfolgen expansive Strategien, welche diejenigen der USA in puncto Intelligenz und Eleganz zwar um Lichtjahre überragen, aber dennoch die ihnen je eigenen Gegenkräfte auf den Plan rufen. Daraus folgt, dass das Ende der Dominanz des imperialistischen Zentrums auch im günstigsten Fall nicht zu einem völligen Verschwinden der Spannungen im internationalen System führt. Umso mehr, als sich das us-amerikanische Zentrum mit Händen und Füßen gegen seinen weiteren Abstieg wehren wird. Wir befinden uns also in einer Epoche der verschärften Konkurrenz zwischen den Weltmächten. Diese ist im Prinzip mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg vergleichbar. Somit stellt sich die Frage, ob das 21. Jahrhundert wie das zwanzigste eines der Kriege zwischen den Großmächten sein wird oder ob dieses verhindert werden kann.

So ist die Welt. Wir bergen sie in unseren Bäuchen, vertrauen und hoffen, dass die Bombe nicht hochgehen wird.

Ergänzende Mitteilung der Komintern-Planungsabteilung

Ohne Weltfrieden kann es keinen Weltkommunismus geben. Der Weltfrieden ist durch antagonistische, auf Expansion abzielende Interessen bedroht. Jedoch bedeutet Expansion auf einer gewissen Ebene nichts anderes als Wachstum, welches Entwicklung ist. Hört Entwicklung nun auf, beginnt der Verfall. Damit stehen wir vor dem Dilemma, in der Ursache der Friedensbedrohung, der Expansion, gleichzeitig das allgemeine Lebensprinzip, die Entwicklung, zu erkennen. Also können wir die Expansion als solche nicht verdammen. Sie ist ein Teil unserer Natur, mit dem wir umzugehen, die wir in produktive und progressive Bahnen zu lenken haben. Was allerdings nichts daran ändert, dass der zur Expansion zur Verfügung stehende Raum wie die Ressourcen begrenzt sind, womit wir beim erbarmungslosen Kampf aller gegen alle bis zum Kannibalismus als finalem Stadium des Klimawandels angelangt wären. Das ist die kapitalistische Perspektive. Die sozialistische jedoch ist eine andere, eine weitaus bessere. Also schlägt die Planungsabteilung der Kommunistischen Internationale dem Zentralkomitee der Zukunft folgendes vor:

Das ZkdZ möge beschließen, die vier elementarsten Probleme der Gegenwart, also den fragilen Weltfrieden, die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Weltwohlfahrt sowie den, wie wir gesehen haben, nicht hintergehbaren Expansionsdrang der Menschheit, in einem gebündelten Prozess ihrer Lösung zuzuführen. Dieses wird dadurch möglich sein, dass die Weltmächte bei zunächst einem gemeinsamen Großprojekt zusammenwirken, welches langfristig völlig neue Expansionsperspektiven eröffnet, für einen alleine gegenwärtig jedoch noch nicht zu stemmen ist. Dessen erste beide Phasen, mit jeweils 15 Jahren Dauer optimistisch veranschlagt, werden noch keinen unmittelbaren Profit einbringen, weswegen es mindestens dreißig Jahre brauchen wird, ehe das neue Spielfeld für die nächste Runde des sogenannten Great Games der Großmächte bereit steht. Zeit genug also, um währenddessen eine ständige Friedenskonferenz mit regionalen Sektionen aufzubauen, die alle bewaffneten Konflikte verhandelt, die bestehenden wie die neu aufkommenden und welche mit der Erlangung eines weitgehenden Weltfriedens das notwendige Vertrauen für einen allmählichen Ausstieg aus der atomaren Hochrüstung schafft. Über die Wichtigkeit, den Kampf um die Böden und Gewässer in globalem Maßstab aufzunehmen und sich nicht einseitig auf den Schutz des Klimas zu verengen und wie das organisatorisch bewältigt werden kann, nämlich mit einer Stiftung zur Lösung der ökologischen Weltprobleme, Planet Subbotnik, haben wir bereits an anderer Stelle gesprochen. Die sich daraus ergebende sozialistische Durchdringung des ländlichen Raums dürfte für hunderte Millionen Menschen eine Alternative zum Slum am Rande der Metropolen darstellen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass der kommende Weltfrieden nicht bloß ein formaler sein wird, sondern einer, der die freie Entfaltung des geistigen Potentials der Menschheit nach dem noch genauer auszuführenden politischen Prinzip der Entwicklungsstabilität ermöglicht, was konkret bedeutet, auf Unterwanderungsstrategien zu verzichten und sich in die jeweils bestehenden Ordnungen einzufügen.

Doch was ist nun dieses ominöse gemeinsame Großprojekt? Es ist, wie könnte es anders sein, die Besiedlung des roten Planeten, welche im Zusammenwirken heroischer Werktätiger mit der zukünftigen roten Intelligenz die ganze Menschheit zu einem neuen Aufbruch inspirieren wird, einem Werk, das weit über jeden einzelnen hinausreichen, unsere Kleinlichkeit von uns fegen und uns lehren wird, eine aufrechte Haltung anzunehmen und die Demoralisierungen der Vergangenheit hinter uns zu lassen, um gemeinsam die interplanetarische Ära der menschlichen Zivilisation einzuläuten. Doch wie soll eine kommerziell rentable Besiedlung des Mars, die auch als neues Betätigungsfeld für den Expansionsdrang der Großmächte taugt, in so kurzer Zeit machbar sein? Dafür ist zunächst der Aufbau einer ausreichend großen Basiskolonie nötig, von der aus ein jeder zu seinen weiteren Expeditionen aufbrechen kann, um die Bodenschätze zu schürfen, deren er habhaft werden kann. Damit die Basisstation aber zur Mutterkolonie für Bergbauunternehmungen aller Art werden kann, bedarf sie der dafür nötigen Anlagen, welche wiederum eine erhebliche Nutzfläche voraussetzen, die durch einzelne, von der Erde herbeigeschaffte Stationsmodule niemals zu verwirklichen sein wird. Folglich muss ein anderer Weg gefunden werden, der nach Lage der Dinge nur darin bestehen kann, dass die Mutterkolonie als Höhlenstadt in einen Berg getrieben wird, wo bald schon ausreichend Platz für Werkstätten, in denen das in Einzelteilen herbeizuschaffende schwere Gerät zusammenzubauen oder kleinere Dinge per 3D-Drucker herzustellen wären, und alle übrigen Anlagen, die für den Aufbau einer Großkolonie nötig sind, vorhanden wäre. Das notwendige Nutzflächenwachstum auf dem Mars kann nur unter Tage erarbeitet werden, doch dafür kann es da schon bald gemütlich werden, mit einer Bar mit Panoramablick in einen Marscanyon. Natürlich, die ersten Bohrapparate werden noch keine große Leistung aufweisen, da sie als Ganzes von der Erde herbeigeschafft werden müssen, wofür, sowie für die übrigen Unmengen an Material, eine Marsstandardrakete in Massenfertigung gehen muss, die zielgenau im Gebiet um die erste Modulstation, wo die die Bergarbeiten durchführenden Arbeiterastronauten untergebracht werden, landet und die, sobald die erste Werkstatt ihren Betrieb aufgenommen hat, als zusätzliche Materialquelle recycelt werden kann.

Alles weitere wird sich ergeben. Darunter ein gigantischer Innovationsschub und neue Industrien. Und ein perspektivischer Fluchtpunkt, eine Linie in die Zukunft, um die herum die übrigen Weltprobleme in einem organisierten Prozess ihrer Lösung zugeführt werden können. Wozu auch das Problem der EU gehört, deren welke Enthusiasten eines verstehen müssen: Europa ist nicht das Projekt. Europa braucht ein Projekt. Und dieses wird die marsianische Montanunion sein.

Gegenwärtig jedoch ist die Planungsabteilung der Kommunistischen Internationale, wie viele Millionen Erwerbstätige und Erwerbslose auch, von Ausbeutung und Jobcentersanktionen betroffen. Selbst Zwangsmaßnahmen der Repressionsorgane stehen zu befürchten. Jedoch vertreten wir die Ansicht, dass die marxistische Fokussierung auf die Ausbeutung als hauptsächlicher Quelle des menschlichen Leidens einige andere Aspekte aus dem Blick geraten lässt, so die Tatsache, dass auch bei einer nicht-antagonistischen Produktionsweise wie im Realsozialismus ein Mehrwert produziert wird, welcher dem Arbeiter nicht ausgezahlt wurde. Extraktionen sind unvermeidlich. Insofern ist eine Aufhebung des Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit kein Allheilmittel, im Gegenteil hat sie im Realsozialismus zu einer verschärften Disziplin geführt, welche jedoch nicht ausschließlich negativ zu sehen ist, auch wenn ihre Auswüchse wie die Deportation zur Zwangsarbeit im Gulag wegen „Sabotage“ genannten Zuspätkommens von 15 Minuten zu Schichtbeginn für immer als mahnende Beispiele für übertriebenen Eifer bei systemimmanenten Zwangsmaßnahmen stehen werden. Eine Trennung von Arbeit und Kapital muss also als für die Arbeitnehmer sinnvoll erachtet und folglich die gewerkschaftliche Organisation unterstützt werden. Darüber hinaus ist zu kritisieren, dass der gegenwärtige Antikapitalismus, so weit uns bekannt, bisher weder eine realistische theoretische Alternative entwickelt noch sich den vielfältigen anderen Bedingungen für ein leidfreies Leben, oftmals psychologischer Art, ausreichend gewidmet hat, weswegen das Zentralkomitee der Zukunft nicht nur einen Bucharin-Orden, sondern auch einen Abziehkalender mit den Worten der Weisheit des Genossen Nummer Null stiften wird, wie wir aus wohlinformierter Quelle erfahren haben.

Aus den Exzerpten des Genossen Nummer Null

Die Idee des Kommunismus ist eine Vorstellung, die jedem in anderer Gestalt erscheint, weswegen eine hypothetische Verwirklichung der Idee des Kommunismus des einen zu herber Enttäuschung bei jenen führen wird, die sich darunter etwas ganz anderes vorgestellt haben. Wohl deshalb fällt es vielen schwer, das Werk des Genossen Dschugaschwili als folgerichtige Verwirklichung der Ideen Marxens zu akzeptieren. Täte man dies, so müsste man, nun ja, die Idee des Kommunismus wohl als solche verwerfen, was die Genossen Perestrojkisten dann ja letztendlich auch getan haben, was wir respektieren, da ihr Niederlegen der roten Fahne friedlich und in Würde geschah. Und doch stehen wir, die wir späteren Generationen angehören, vor dem Mysterium, dass uns die Idee des Kommunismus noch immer beziehungsweise wieder inspiriert, während dieselbe Idee andere nach wie vor in Furcht und Schrecken versetzt, Verlustängste oder Erinnerungen an erlittene Repressionen weckt. Sie hat also Kraft, die Idee des Kommunismus, sie ist lebendig, auf ihre Weise, im Seinsmodus der Idee. Sie ist der Ort, wo sich unsere Träume treffen und unsere Geister sich scheiden, in jene, die der lichten Zukunft Verheißung sehen, und jene, welche deren Schatten erblicken, das bedrohliche Element, das wohl auch Marx wahrnahm, wie es in seinem Wort vom „Gespenst des Kommunismus“ anklingt. Wie aber kann eine Idee, der als solche ja keine Materialität eigen ist, eine solche Wirkmächtigkeit entfalten, wenn doch das Sein das Bewusstsein bestimmt? Die Dinge liegen also etwas komplizierter, weswegen der zukünftige Sozialismus sich nicht nur mit den Produktionsverhältnissen, sondern auch mit der Idee und der geistigen Sphäre, welcher sie angehört, zu beschäftigen hat, ganz locker, versteht sich, und da wollen wir hier den Anfang machen und die Frage aufwerfen, worin die Idee des Kommunismus sich denn von ihrem Vorgängerkonzept, dem hegelianischen Weltgeist, unterscheidet, sind beides doch Ideen mit Heureka-Effekt: Jetzt hab ich´s kapiert, bin auch gleich restlos überzeugt und werd den andern nun aber schleunigst verklickern, was so die Wahrheit des Weltenlaufs ist … Der Weltgeist, so haben wir das verstanden, stellt eine Art philosophischen Ersatzbegriff für das dar, was die Religionen „Gott“ nennen, ist aber reiner und klarer, da er frei von deren traditionalistischer Umkleidung ist, wohingegen die Idee des Kommunismus auf die Materialität der menschlichen Verhältnisse sowie der Möglichkeit ihrer Umgestaltung verweist: Dein Traum vom Kommunismus kann Wirklichkeit werden. Der Hegelianer würde also, beispielsweise in Sachen Donald Trump, wohl etwas sagen wie: »Oh, der Weltgeist zu Pferde, ein amerikanisches Original, da verdichtet sich die aktuelle historische Entwicklung in einer Person, welche dem Zeitgeist einen signifikanten Ausdruck verleiht«, während der Marxist sich auf die Frage konzentrieren würde: »Äh, und wie kriegen wir den Typen jetzt schnellstmöglich von seinem Gaul runter, bevor die Pferde noch völlig mit ihm durchgehen?«

So oder so, beiden Standpunkten ist ein Erkenntnisprozess vorausgegangen, welcher in einem Moment des Begreifens des jeweiligen philosophischen Systems gipfelte, der jenem ähnelt, als der Weltgeist in Hegels Leben trat und Marx die Idee des Kommunismus vor Augen hatte, wenn auch schwächer, da sich der Vorhang der Autorität zwischen Erkennendem und Idee schiebt. Es ist etwas anderes, ob man nachvollzieht oder schöpft. Schöpfen bedeutet, in der Idee zu sein, was als Kehrseite mit sich bringt, in der eigenen Vorstellung von Wirklichkeit gefangen zu sein. Dort wächst die empfangene Idee. Die Idee des Weltkommunismus nun umfasst die Erde als Ganzes, als Teil des Universums, die Karl Marx als eine Gesellschaft sah, in der die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung der freien Entwicklung aller sei und der Mensch selbst entscheide, ob er morgens jagen und abends fischen gehen wolle, wohingegen wir die Idee des Weltkommunismus zunächst einmal als Vorstellung eines gesellschaftlichen Zustandes ansehen, in der jeder in Freiheit und seinen Bedürfnissen entsprechend leben kann, doch ist Gesellschaft immer im Prozess begriffen und niemals statisch, so stabil das Staatsgefüge auch sein mag, weswegen ein Idealzustand niemals erreicht werden kann. Der Weg ist das Ziel, doch sollte man sich als Linker hüten, jeder Möhre, die einem auf dem Weg dahin vor die Nase gehalten wird, hinterherzurennen, da die Idee des Weltkommunismus andernfalls zur bloßen Vorstellung des jeweiligen Linken von der Welt herabsänke. Sie wäre letzten Endes die Idee einer Organisation, die sich in Konkurrenz zu anderen Organisationen mit Ideen befindet, würde die Inklusivität ihrer Weltumfassung, die eben alle Menschen miteinschließt, verlieren, indem die Organisationen jener, die sich gegen das Träumen vom Kommunismus entschieden haben, zu antagonistischen Gegenkräften würden, was sie in diesem Moment für das Zentralkomitee der Zukunft nicht sind, da der Genosse Nummer Null ein sehr feinfühliger, aber nichtsdestotrotz souveräner Religionspolitiker ist, der nicht von sich aus neue Heilslehren verkündet, sondern lediglich seine Sicht auf den Weltgeist darlegt, der sich ihm als spiralförmiges Weitergehen des historischen Prozesses vorstellt, in dem Ideen nach ihrem Aufstieg, ihrer Blüte und ihrem Verfall eine Wiedergeburt erleben und ihren zweiten Zyklus auf Basis der Erfahrungen des ersten beginnen.

Das wird die rote Renaissance, sagt die Kristallkugel des Genossen Nummer Null, doch kann diese Wiedergeburt nicht geschehen, solange die Nation ausschließlich als feindliche Kraft analysiert wird, da eine jede Revolution ihren Sieg im Rahmen des sie gebärenden Nationalstaates erringen muss und auch danach nicht missionierend auftreten darf, will sie nicht massivste Gegenreaktionen aus dem Ausland provozieren. Auch ist es wichtig, der jeweiligen nationalen „Seele“, in unserem Falle der deutschen, so viele Streicheleinheiten zu geben, dass sie nicht vor lauter Aufmerksamkeitsmangel zubeißt, was nicht bedeutet, nationale Egoismen nicht in einem höheren Rahmen ausbalanciert sehen zu wollen oder die abfällige Engstirnigkeit nationaler Überheblichkeit gutzuheißen, doch ist die nationale Frage eben eine, die sensibel angegangen werden will, soll Frieden in diesen Gefühlsmoloch einkehren. Dazu gehört auch das Eingeständnis, dass viele der heute gegen die herrschenden Verhältnisse revoltierenden Menschen es von rechts tun und sie von links auf das Entschiedenste bekämpft werden, was als objektive Unterstützung der kritisierten Kanzlerin wie der von ihr in allen Bereichen verantworteten Politik zu bewerten ist und eben nicht „bloß“ als Verteidigung der Demokratie gegen den Faschismus, wobei die diesem zuzurechnenden Elemente innerhalb der AfD unserer Einschätzung nach nicht dominant sind, die sich aber, wenn alles schief laufen sollte, gesamtgesellschaftlich noch als durchaus gefährlich erweisen könnten.

Doch wer eine Revolution macht, übernimmt die Macht im Staate. Und hat ihn mitsamt seinen Problemen damit am Hals, muss sich drum kümmern, muss aus dem Blickwinkel des Eigenen darauf schauen. Er kann sein Selbstwertgefühl nicht einfach durch Großzügigkeit auf Kosten des Staates und der Gesellschaft, über die er die Kontrolle übernommen hat, steigern. Er hat dafür zu sorgen, dass die Waage des Gebens und Nehmens ausbalanciert bleibt und die Entwicklung nach objektiven Kriterien eine positive ist, also kein Verfall des eigenen Gestaltungspotentials eintritt, denn dieses würde den Revolutionär seiner Möglichkeiten berauben. In diesem Sinne nun schicken wir uns an, die rote Fahne von Neuem auf dem Reichstag zu hissen, dort, wo vor 72 Jahren die siegreichen Rotarmisten sie stolz im Winde flattern ließen, wo die Souveränität des deutschen Volkes ihren symbolischen Sitz, auf dass es diese zusammen mit der roten Fahne ergreife, dem Irrweg des Nazismus abschwöre und, ta, ta, den Blick in die Zukunft richte.

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