Wer in der Jugend Verse schrieb, von einem eigenen Roman träumte, wollte ihn irgendwann auch in der Buchhandlung um die Ecke ausgelegt sehen.

Natürlich kann ich mich kaum mehr an meine ersten schriftstellerischen Krabbel- oder Gehversuche erinnern und auch von den damals geschriebenen Texten ist nichts erhalten. Sie alle fielen eines Nachts den Flammen eines Autodafés zum Opfer, als ich mein gesamtes literarisches Werk dem Feuer übergab. Doch eins das weiß ich noch ganz genau, dass ich irgendwann einmal den eigenen großen Roman in der kleinen Buchhandlung um die Ecke ausgelegt sehen wollte. Und nach vielen Jahren und noch mehr Mühen ist dieser Traum nun wahr geworden. Es war ein großer, kleiner Moment, den ich ausgiebig fotografisch festgehalten habe.

Staatsgeheimnis from Tim Jungeblut on Vimeo.

Nach dem Frühstück packte ich drei Exemplare von Staatsgeheimnis in meine Umhängetasche, schwang die Kamera über die Schulter und trottete über das regennasse Kopfsteinpflaster, vorbei an wunderbar geschwungenen Parkbänken, die zwischen ebenso altmodischen Laternen und kahlen Baumgerippen standen, auf die andere Seite des Richardplatzes (einem der schönsten und dörflichsten Plätze Berlins), wo sich eine kleine, helle Buchhandlung befand. Dort fragte ich nach, ob ich wohl kurz meine über Books on Demand gedruckten Printausgaben für ein Fotoshooting auf der Ablage und im Schaufenster verteilen dürfe und die freundliche Buchverkäuferin sagte gleich zu. Zugegeben, es ist nicht dasselbe, wie wenn die Bücher den regulären Weg über Libri & Co in die Buchhandlung genommen hätten und ich fühlte mich zwischendurch wie ein Betrüger, aber in meiner Rolle als Fotograf konnte ich keinen Unterschied erkennen und fand´s, wie man so sagt, absolut gefühlsecht.Staatsgeheimnis im Buchladen 4

Na ja, wie dem auch sei. Jedenfalls gibt es meinen Roman „Staatsgeheimnis“ jetzt auch als gedruckte Version. Hardcover, schöne Umschlaggestaltung, anständige Bindung, Lesebändchen, 672 Seiten, 26,95 Euro. Anderthalb Jahre, nachdem er als E-Book erschienen ist, dreieinhalb Jahre, nachdem ich mit der Arbeit an ihm begonnen habe. Ich kann nicht sagen, dass sich meine Erwartungen, die ich an ihn hatte, bestätigt hätten, in keinster Weise. Bis heute hat sich ja zum Beispiel niemand gefunden, der den ganzen Roman rezensiert und gewürdigt hätte. Aber das macht nichts. Ich habe getan, was ich für richtig gehalten habe, doch es wurde in seiner Schönheit nicht erkannt. Nun gut, so kann´s kommen. Ich geh weiter.Staatsgeheimnis im Buchladen 2

Abschließend hier noch mal der Klappentext und hier gibt’s noch einen sehr lesenswerten Text über die Idee, die „Staatsgeheimnis“ zugrunde liegt:

Der junge Assyriologe Daniel Bender steckt in einer Lebenskrise: An der Universität gibt es für ihn nach seiner Doktorarbeit keine Perspektive und außerhalb erst recht nicht. Auch mit den Frauen läuft es nicht rund. Da macht er plötzlich eine skandalöse Entdeckung: Bundeskanzler Dr. Theobald von Besserberg scheint bei seiner Dissertation abgeschrieben zu haben. Daniel wittert die Chance seines Lebens, will Star-Journalist werden und mit dieser Story groß rauskommen. Doch die Dinge laufen aus dem Ruder. Eine plötzliche Krise beherrscht die Nachrichten und Dr. Theobald von Besserberg tritt seinerseits mit nicht für möglich gehaltenen Enthüllungen über die Machenschaften der US-Regierung an die Weltöffentlichkeit. Kann man ihm glauben?

Staatsgeheimnis im Buchladen 3

„Staatsgheimnis“ ist ein dystopischer Schelmenroman, in dem ein naiver Jungspunt an verblüffend prominenter Stelle in die weltpolitischen Umwälzungen verwickelt wird, die sich aus dem Zusammenbruch des Euros und des transatlantischen Bündnisses ergeben. Angesichts der daraus entspringenden katastrophenartigen Zustände brechen alle zivilisatorischen Dämme des Helden, der aus purer Unbedarftheit und situativem Opportunismus zu einem Massenmörder faschistischen Ausmaßes wird. Sein Selbstbild bricht zusammen und er schaut in den Abgrund des Seins.

Übrigens: Nach Abschluss des Fotoshootings habe ich die Bücher natürlich wieder mitgenommen, weswegen sie nicht vorfinden wird, wer die Tage die Buchhandlung am Richardplatz besucht. Doch heißt das natürlich nicht, dass man das Buch nicht bei jeder beliebigen Buchhandlung – auch bei Ihnen um die Ecke, wie der Werbefachmann sagen würde – bestellen könnte. Nur zu!

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