Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XVI: Die Toten bleiben jung

Wer längs des seicht vor sich hin plätschernden Landwehrkanals marschiert, ist vor der Sonnenhitze zumeist durch einen grünen Baldachin raschelnden Laubs geschützt, doch nähert man sich der U-Bahnstation Hallesches Tor, wird das Ambiente urbaner und rauher, die Luft stickiger, die Hitze sengender. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XV: Als die Nacht verging

Seit nunmehr fast zwei Jahren lauert der Verfasser dieser Zeilen als womöglich illegales Internetaktiv im Untergrund der Blogosphäre mit einem Kompromat der Kanzlerin auf, um so die Regierung zu stürzen und bei der Gelegenheit gleich selber zu übernehmen und außerdem noch eine solidarische Weltrevolution des internationalen Systems in die Wege zu leiten. Ein schwieriges, wenn nicht gar aussichtsloses Unterfangen, das obendrein nicht von jedem verstanden wird und trotz seines zweifellos heroischen, echt leninistischen Charakters bisher keinerlei positive Resonanz erfahren hat. Doch stellte die illegale Arbeit im revolutionären Untergrund schon immer eine besondere Herausforderung dar, wovon auch Iwan Popows Roman „Als die Nacht verging“ über eine illegale Parteizelle Moskauer Bolschewiken Ende der nuller Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts mitreißend erzählt. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XIV: Die Wolokolamsker Chaussee

Eine Reihe roter Fahnen, flatternd im Wind, flankierte den Demonstrationszug der Genossen vom Jugendwiderstand mit seinem grünen, Halbmond geschmückten Tuch in der Mitte zu beiden Seiten, als er am ersten Mai dieses Jahres in die Neuköllner Sonnenallee einbog. Angetan von dieser Manifestation an Kampfdisziplin marschierte ich schon eine ganze Weile mit, stemmte sogar das breite, rote Quertransparent gegen den Wind, obwohl ich mit niemandem aus dem Zug bekannt war, und litt in der Mittagshitze einigen Durst. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XIII: Neuland unterm Pflug

Sozialismustage, 20. April 2019, der Samstag vor Ostern, Hitlers Geburtstag. Da kommt einiges zusammen. Aber die Sonne scheint. Und vorm Eingang zum nicht mehr ganz frischen, modernistischen Redaktionsgebäude des Neuen Deutschlands, wo die von der Sozialistischen Alternative (SAV) organisierte Veranstaltung stattfindet, komme ich auch gleich mit einem Weggefährten des Weltkommunismus ins Gespräch, der mir eine Ausgabe der Permanenten Revolution ans Herz legt, ein trotzkistisches Periodikum … (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XII: Zement

Das trübe Grau des Spätwinters wabert dieser Apriltage von Neuem durch die Straßen, deren Bäume doch schon Sprossen gräulichen Grüns zeigen, und erfüllt wie eine mehlige Zementstaubwolke die ganze Luft, in der es als etwas fast mit den Händen Greifbares liegt, als Ahnung, dass es so nicht weitergehen wird. Die alte Zeit verflüchtigt sich, Angela Merkel scheint in Annegret Kramp-Karrenbauer überzugehen, der Brexit wälzt sich ätzend durchs Jahr, doch unbemerkt verdichtet sich im Nebel zugleich das Neue. Verstärkte Wetterfühligkeit, Angefasstheit und Gereiztheit allenthalben, Repressionen, Razzien und Revolten, ahnt doch keiner, dass lediglich ein stillgelegtes Zementwerk den Betrieb wieder aufgenommen und die Dunstwolke des spätkapitalistischen Verfalls in Wirklichkeit bereits vom Baustaub einer neuen Zeit herrührt. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs XI: In den Katakomben von Odessa

Unbemerkt und unerkannt schleicht der Verfasser dieses Blogs zwischen den glänzenden Seiten des Internets umher, befindet sich gleichsam in dessen dunklen Katakomben, ein Illegaler, den niemand durchschaut und dessen Projekt sich niemandem erschließt. Es scheint sich um Literatur zu handeln, doch ist das wirklich alles? Geht es nur darum, Parallelen zwischen den besprochenen Romanen und den politischen Aktivitäten des Bloggers herzustellen oder steckt nicht doch mehr dahinter? Kann es sein, dass hier tatsächlich ein illegales Kreiskomittee des Internets am Werk ist und ein Vergleich mit den odessitischen Partisanen, deren Wirken Valentin Katajew (1897 – 1986) in seinem 630 Seiten Roman „In den Katakomben von Odessa“ (1949) so mitreißend und überzeugend geschildert hat, nicht viel zu weit hergeholt ist? (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs X: Die Brüder

Fanfarenklang und Trommelwirbel, Pauken und Trompeten, Krawall und Remidemi – so schmettert die Revolution ihren Marsch im 4/4-Takt, begeistert oder verschreckt das Auditorium und verlangt von allen die vollste Aufmerksamkeit, da sie, einer eifersüchtigen Diva nicht unähnlich, ansonsten schwer beleidigt sein und sich auch mal wie ein echtes Miststück aufführen kann. So kennen wir sie, so ist unser Bild. Doch verbleiben daneben, dahinter und dazwischen auch während der Revolution die leisen Töne des Lebens, welche Konstantin Fedin (1892 – 1977) in seinem wohlkomponierten Roman „Die Brüder“ (1926) mit scharfem Sinn für die Beständigkeit des allgemein Menschlichen sowie biografische Rhythmen eingefangen und inszeniert hat. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs IX: Tschapajew

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, Weihnachten ist überstanden und für einen kurzen Moment herrscht Ruhe, bevor die Silvesterknallerei das nächste Jahr mit seinen absehbaren Anschlägen und Attacken einläutet. Die Situation bleibt also höchst angespannt, birgt jedoch ebenfalls ein revolutionäres Potential, doch ob dieses genutzt werden kann, steht in den Sternen. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs VIII: Das Haus am Platz

Der November ist vorbei. Das Jahr versinkt in nebeligem Grau, die Häuser stehen reglos an ihren Plätzen und die Menschen gehen ihren Geschäften nach, ob bei #aufstehen, wo man sich anscheinend auf dem Weg zu einer neuen Partei befindet, oder beim Jobcenter, wo man zu Informationstagen für Selbständige einlädt. Den neunten November, den hundertsten Jahrestag der Revolution, habe ich indes verstreichen lassen, habe nicht versucht, bei der #aufstehen-Kundgebung am Brandenburger Tor einen digitalen Sturm aufs Kanzleramt anzuzetteln und mich sicherheitshalber wieder aus allem herausgezogen. Meine verbale Freizügigkeit steht einfach in zu großem Widerspruch zu den Sprachregelungen und Denknormen unserer Zeit. So lese und schreibe ich stattdessen für mich. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs VII: Montag

An einem Montag im Oktober, am 29.10.2018, war es dann so weit: Angela Merkel, auf deren Sturz ich unbemerkt schon so lange hinarbeite, verkündete von sich aus ihren schrittweisen Rückzug aus der Politik, beginnend mit dem Verzicht auf eine erneute Kandidatur zur CDU-Vorsitzenden bei deren Parteitag im Dezember und endend mit der Amtsübergabe an ihren vom nächsten Bundestag zu wählenden Nachfolger. (mehr …)