Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs V: Der Abtrünnige

Neulich schlenderte ich durch die Straßen des Viertels, in dem ich wohne, zu einem Copyshop hin, um dort gehorsamst, so wie das Jobcenter es von mir verlangt, Kopien all meiner Kontoauszüge anzufertigen, während die jungen Araber, die hier und dort herumstanden, nur ein Gesprächsthema hatten, nämlich den Mord an einer lokalen Kiezgröße, der es sogar in die überregionalen Medien geschafft hatte, ebenso wie die Gewalttaten in Chemnitz und Köthen mit ihrem allseits bekannten Medien- und Protestecho. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs IV: Der rote Planet und Ingenieur Menni

In einem Schwebezustand befinde ich mich nach meiner Entlassung als Hilfsarbeiter beim Messebau, der ALG-II Antrag ist noch nicht gestellt, und vergeblich schaue ich immer wieder auf der Seite von Russia Today nach, ob RT meine Untersuchung zu Merkels Stasi-Vergangenheit veröffentlicht hat. Doch vergeblich. So findet der von mir intendierte Sturz der Kanzlerin also vorerst nicht statt und ich habe keine Möglichkeit, mich vor die Kameras zu stellen, um der nach einer eventuellen Veröffentlichung des Artikels aus allen Wolken gefallenen Öffentlichkeit mitzuteilen, dass ich jetzt übernehme. Die Revolution verharrt somit bis auf Weiteres im Lauerzustand. Doch ich gebe nicht auf, richte mich vielmehr am Geist der alten Bolschewiki auf und lese zwei Romane Alexander Bogdanows, „Der rote Planet“ und „Ingenieur Menni“, die dieser, ein Weg- und Kampfgefährte Lenins, zwischen der missglückten 1905er und der erfolgreichen 1917er Revolution geschrieben hat. (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs III: Der 9. November (1918) – der XX/YY/2018?

Von Baustelle zu Baustelle, zur Messe wie zum Tempodrom, lotste mein Schichtplan mich während der heißen Tage des diesjährigen Julis, mir nicht allzu viel Zeit lassend für die Lektüre eines Romans namens „Der 9. November“ über die deutsche Novemberrevolution vor genau hundert Jahren, geschrieben 1919 von einem Schriftsteller namens Bernhard Kellermann, der mir zuvor nichts sagte. Und dann sind da natürlich noch meine eigenen politischen Aktivitäten, von denen ich gleichwohl kaum je etwas erzähle, denn wo käme ich denn da hin, wenn ein jeder wüsste, dass ich die Regierung zu stürzen beabsichtige? (mehr …)

Aus den Aufzeichnungen eines Revolutionärs II: „Wem die Stunde schlägt“

ist der Titel eines Romans Ernest Hemingways über eine Episode im spanischen Bürgerkrieg, als ein amerikanischer Kriegsfreiwilliger namens Robert Jordan mit einer Partisanengruppe hinter den feindlichen faschistischen Linien eine Brücke sprengen soll, um so eine feindliche Nachschubroute zu kappen und der ersten republikanischen Offensive seit Langem zum Erfolg zu verhelfen. (mehr …)

Zur Kritik des katalonischen Staatsbildungsprozesses

Die kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit der katalanischen Nation sowie das offensichtliche Fortbestehen faschistoider Denk- und Handlungsmuster im spanischen Staatsapparat verleihen dem katalanischen Unabhängigkeitsbestreben eine tiefe Legitimation. Das Bündnis der federführenden nationalliberalen Partei mit progressiven Kräften aus dem linken Spektrum weckt Hoffnungen auf einen Modellversuch für postneoliberale Politik, also eine, die die Fehlentwicklungen der sozialen Marginalisierung und verschärften politischen Repression korrigiert und allgemein einen emanzipatorischen Schub bewirkt. (mehr …)